Geschichte des Chores

Mit der Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn am 16. Mai 1971 unter der Leitung von KMD Prof. Dr. Rudolf Walter beginnt die Geschichte der Cappella Palatina Heidelberg als Konzertchor an der Jesuitenkirche Heidelberg. Der Chor wurde auf der Ebene des damaligen Kath. Dekanats Heidelberg angesiedelt. Er ist heute eine Einrichtung der römisch-katholischen Kirchengemeinde (Stadtkirche) Heidelberg, die in ihren Grenzen dem ehemaligen Dekanat entspricht. Der Chor wird vom jeweiligen Kantor an der Jesuitenkirche geleitet, der zugleich Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg in der Region ist. Nach der Pensionierung von KMD Prof. Dr. Walter übernahm 1982 Karl-Ludwig Nies den Chor, bevor er 1990 als Domkapellmeister an den Liebfrauendom in München berufen wurde. Auf ihn folgte Jürgen Maag, der 1995 nach Los Angeles wechselte. Thomas Berning übernahm den Chor bis 2006 und wirkt heute als Domkapellmeister in Paderborn. Seit 2007 leitet KMD Dr. Markus Uhl die Cappella Palatina Heidelberg.

Die Cappella Palatina ist aus dem vermutlich im Jahr 1877 gegründeten Kirchenchor „Caecilia“ an der Jesuitenkirche hervorgegangen, der zunächst ein reiner Männerchor war und ab dem Jahr 1892 als gemischter Chor auftrat. Davor lässt sich kein fester Chor an der Jesuitenkirche nachweisen, wohl aber eine Knabenschola, die Gregorianischen Choral sang und vom jeweiligen Organisten, der auch Schullehrer war, geleitet wurde. Indirekt gehört auch die „Chormusik ad Sanctum Spiritum“, die im 18. Jahrhundert im damals noch katholischen Chorraum der Heiliggeistkirche am Marktplatz vom Mannheimer Hof aus finanziert und beeinflusst wurde, zur Geschichte der Kirchenmusik der Pfarrei Heilig Geist, deren Pfarrkirche seit dem Jahr 1809 die Jesuitenkirche ist.

Der Initiative von Dr. Norbert Fritz und der Unterstützung von Pfarrer Prof. Dr. Richard Hauser zusammen mit Dekan Berthold Mogel ist es zu verdanken, dass neben den etablierten Heidelberger Konzertchören, insbesondere dem Bachchor und der Studentenkantorei, ein katholisches Pendant entstehen konnte. In den mehr als 50 Jahren seines Bestehens konnte sich der Chor, der selbstverständlich Sängerinnen und Sängern jeglicher Konfession offensteht, einen festen Platz im Heidelberger Musikleben erarbeiten und um eine bedeutende Stimme reicher machen. Seit 1971 probt der Chor montags, weshalb ihm zeitweise die Bezeichnung „Montagschor“ verliehen wurde. Von Anfang an haben Sängerinnen und Sänger nicht nur mit ihrer Stimme und ihrer Freizeit, sondern auch in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden die Durchführung der Konzerte gemeinsam mit dem (Bezirks-)Kantorat an der Jesuitenkirche garantiert und das Chorleben gestaltet, ohne dass dafür je eine juristische Vereinsstruktur notwendig gewesen wäre.

Die finanzielle Grundlage der Projekte des Chores wird heute sowohl von der Stadtkirche Heidelberg als auch von der Stadt Heidelberg durch feste jährliche Zuschüsse garantiert. Darüber hinaus ermöglichen zusätzliche Geldgeber außergewöhnliche Konzerte, Konzertreisen etc. Mehrfach großzügig gefördert wurde die Cappella Palatina durch das Goethe-Institut und vor allem durch die Marienhaus-Stiftung, der die Kirchenmusik an der Jesuitenkirche ein besonderes Anliegen ist. Zudem tragen private Spender innerhalb und außerhalb des Chores regelmäßig zur Finanzierung der Chorprojekte bei.

Markenzeichen der Cappella Palatina Heidelberg sind neben der Pflege der klassischen Oratorienliteratur, der Mitgestaltung von Gottesdiensten in der Jesuitenkirche, insbesondere an den Hochfesten, und Auftritten im In- und Ausland von Anfang an konzertante Aufführungen von selten musizierten Werken aus dem reichen Schatz der Kirchenmusik. Diese besondere Eigenschaft des Chores zeigt sich auch daran, dass alle bisherigen Leiter des Chores, obwohl sie das Ensemble fünf, zehn oder gar mehr als fünfzehn Jahre geleitet haben, in ihren jeweiligen Amtszeiten nahezu ausnahmslos ohne Programmwiederholungen in den Konzerten ausgekommen sind und vor allem der üblichen Versuchung widerstanden haben, gewisse publikumswirksame Repertoirestücke (Bachs Passionen und das „Weihnachtsoratorium“, Händels „Messias“ etc.) in regelmäßigem Rhythmus zu wiederholen. Das Ensemble zeichnet sich vielleicht auch gerade deshalb durch Oratorieninterpretationen abseits der konventionellen Pfade aus und ist für seinen homogenen, durchsichtigen und rhetorischen Chorklang überregional bekannt.

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN

Sonntag, 27.11.22, 18.30 Uhr
Jesuitenkirche Heidelberg

Erster Adventssonntag

Musik für Blockflöte und Orgel

Marius Neuß, Blockflöte | Markus Uhl, Orgel

Sonntag, 04.12.22, 18.30 Uhr
Jesuitenkirche Heidelberg

Zweiter Adventssonntag

Werke für Männerstimmen von Théodore Dubois u.a.

Studierendenensemble an der Jesuitenkirche

Sonntag, 11.12.22, 18.30 Uhr
Jesuitenkirche Heidelberg

Dritter Adventssonntag – Gaudete

IN: Gaudete in Domino semper | OF: Benedixisti, Domine | CO: Dicite: Pusillanimes | Missa »Adventus et Quadragesimae« | Credo III

Schola Cantorum

CAPPELLA PALATINA